Bei der Tagung zu „Amoris Laetitia“ unter Leo XIV. sei nicht mehr von „irregulären“ Beziehungen die Rede gewesen, erklärte der verheiratete Münsteraner Theologe Christian Bauer, der als „Experte“ an der Tagung teilgenommen hatte. Der methodologische Paradigmenwechsel des Dokuments wird nicht mehr in Frage gestellt: „Man muss synodal von konkreten Erfahrungen ausgehen und nicht hierarchisch von abstrakten Prinzipien.“
Zum ganzen Artikel Der Weihbischof von Astana, Athanasius Schneider, hat sich in einem Interview für die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) ausgesprochen. In dem Gespräch, das am 13. Oktober im „Catholic Herald” erschien, bezeichnete er das Wirken der Bruderschaft als „Werk der göttlichen Vorsehung” für die Kirche.
Bischof Schneider, einer der bekanntesten Fürsprecher der überlieferten Liturgie, hält die Kritik der Bruderschaft am Zweiten Vatikanischen Konzil und an der neuen Messe für berechtigt. Mehrere Konzilstexte seien nach seiner Einschätzung mehrdeutig.
Dem Messbuch von 1969 (Novus Ordo) wirft er lehrmäßige und liturgische Mängel vor, darunter eine Abschwächung des Opfercharakters der Messe und „protestantische Tendenzen”. Dies gelte besonders für die neuen Opferungsgebete und das Zweite Hochgebet, auch in der lateinischen Fassung. Die Kirche könne nicht einfach so weitermachen, sagte der Bischof. Die Unklarheiten müssten ausgeräumt und die neue Messe im Sinne der Tradition überarbeitet werden.
Dass der Vatikan von der Bruderschaft die Anerkennung des Konzils als „in Kontinuität mit der Tradition stehend” verlange, nannte Schneider „mentale Akrobatik”. Die Bruderschaft wolle lediglich die Messe feiern und die Lehre verkünden wie vor dem Konzil. Er forderte vom Heiligen Stuhl mehr Offenheit und Raum für Diskussion. Die Exkommunikation von Bischöfen der Bruderschaft im Sommer begründe Rom nicht mit Irrtümern der FSSPX, sondern mit ihrer Kritik an Konzil und neuer Messe.
Scharf kritisierte Schneider auch den Umgang des Vatikans mit anderen Konflikten. Während die Tradition bestraft werde, bleibe Rom gegenüber Abweichungen nachsichtig. Als Beispiele nannte er den Bischof von Antwerpen, der angekündigt habe, das Zölibatsgesetz zu ignorieren und verheiratete Männer zu weihen, den Synodalen Weg in Deutschland und das Abkommen mit China. Dahinter sieht er eine teilweise „feindliche Übernahme” des Heiligen Stuhls durch Kräfte, die den Glauben den Moden der Zeit anpassen wollten. Aufhalten könne dies nur ein Eingreifen Gottes.
Der Bischof beklagte zudem, dass die überlieferte Messe auch unter Leo XIV. weiterhin als etwas Gefährliches behandelt werde. Das Motu proprio „Traditionis custodes” bleibe in Kraft, und Bischöfe weltweit strichen weiterhin Messen im alten Ritus.
Die derzeitige Lage der Kirche verglich Schneider mit dem Exil der Päpste in Avignon. Wie damals die „Kleinen”, etwa die heilige Katharina von Siena, die Päpste zurückgeholt hätten, bereiteten heute gläubige Familien, junge Menschen und Ordensleute das Ende des „lehrmäßigen und liturgischen Exils” vor. Der Prälat zeigte sich überzeugt, dass Gott der Kirche danach wieder „hundertprozentig traditionelle” Päpste schenken werde.
Bischof Schneider selbst wird Ende Oktober die Messe bei der jährlichen Rom-Wallfahrt der Indultgemeinschaften feiern. Anders als im Vorjahr erhielt die Wallfahrt keine Erlaubnis für eine Messe im Petersdom. Der Gottesdienst findet stattdessen in der Basilika Santa Maria Maggiore statt.
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